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Schlagwort: Geschichten

Die Geschichte von Corinna und Blackie – 7 Drabbles

Heute mal etwas ganz neues. Hier hast du 7 Drabbles von mir. Drabbles sind kurze Geschichten mit exakt 100 Worten. (Überschriften ausgenommen.) Ich hab schon lange nichts mehr von mir Geschriebens veröffentlicht und deswegen dachte ich mir das wäre mal eine gute Gelegenheit. Die Drabbles erzählen eine längere Geschichte von einem Mädchen und nun ja… Lies selbst. 😉

Hörst du mich?

Seit einiger Zeit hört Corinna komische Geräusche. Sie ist erst 5 Jahre alt, aber sie weiß, dass da etwas nicht in Ordnung ist. Manchmal klingt es fast wie eine Stimme die mit ihr spricht, aber sie versteht sie nicht. Egal wie sehr sie sich anstrengt. Aber Etwas ist ihr aufgefallen. Es wird deutlicher. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie sie versteht. Vielleicht ist es morgen schon so weit, oder es dauert noch ein paar Wochen. Die Stimme kommt immer nur dann, wenn Corinna alleine ist. Also muss sie doch ein großes Geheimnis für sie haben.

Oder nicht?

 

Siehst du mich?

“Dreh dich um”, sagt die Stimme. Seit 3 Jahren spielen sie miteinander. Die Stimme ist ihr Begleiter, egal wo Corinna hingeht. Selbst in der Schule ist sie da, aber niemand sonst hört sie. Manchmal glaubt Corinna das sie sich alles einbildet, dass hat sie auch der Stimme gesagt. Diese meinte sie würde sich ihr zeigen.

Gespannt wendet sich Corinna zu der Stimme um. Ein Schatten steht da mit seinem Kopf stößt er gegen die Decke. Seine Arme sind so lang, dass man sich darin einwickeln könnte und die Haut wirkt wie ein Fell.

“Ich nenne dich Blackie”, sagt Corinna lächelnd.

 

Könntest du?

“Warum kannst du nicht bleiben?”, fragt Corinna. Sie ist den Tränen nah. Seit mehr als 5 Jahren ist er immer da und heute meint Blackie er müsse gehen.

“Ich habe keine Kraft mehr”, sagt er ihr.

“Dann geh doch mal schlafen.”

Knurrend erwidert Blackie: “Es ist nicht so einfach.”

“Was brauchst du denn um Energie zu bekommen?”

“Ein menschliches Leben. Am liebsten ein junges.”

Corinna schluckt schwer, so bezeichnet Blackie immer ihren kleinen Bruder der noch nicht geboren ist.

“Wenn ich ihn töte, bleibst du?”, fragt sie hoffnungsvoll.

Blackie nickt. Damit ist es für Corinna erledigt. Sie wird es machen.

 

Tu was ich sage!

“Gibst du mir die Schuld?”, fragt das kleine Mädchen. Ihre Augen sind verweint und sie wischt sich zum wiederholten Mal über das Gesicht. Der Rotz klebt an ihrem Ärmel, aber sie scheint es nicht zu merken. Er schweigt. Schon seit Tagen redet er nicht mehr. Hoffentlich hat sie ihn nicht verärgert.

“Ich hab’s doch gemacht. Es hat halt gedauert”, flüstert sie.

Ein leises Knurren kommt von ihm. Er geht zu der winzigen Blutlache und steckt seinen Finger hinein. Es ist noch warm. Das Baby ist noch nicht lange tot. Die Eltern schlafen noch.

“Das hast du gut gemacht”, dröhnt er.

 

Hör mir zu.

“Du sagtest du bleibst”, sie wirft eines ihrer Kissen auf Blackie. Dieser blickt zu ihr und sie kann seine Müdigkeit spüren.

“Das stimmt und ich entschuldige mich, aber ich muss eine Weile weg. Sonst können wir keine Abenteuer erleben”, sagt er ihr mit ruhiger Stimme. Er setzt sich neben sie.

“Abenteuer?”, fragt Corinna.

“Ja, wir werden noch viel mehr erleben.”

“Schwöre es. Bei deinem Blut”, verlangt sie und sieht ihn herausfordernd an.

Blackie seufzt leise, aber dann hebt er seine Hand und sticht hinein. Eine gelbliche Flüssigkeit quillt daraus hervor.

“Ich schwöre.”

Sie hält ihre eigene Wunde darauf und nickt.

 

Da bin ich wieder.

Heute ist der Todestag ihres kleinen Bruders. Wie jedes Jahr fahren sie zu ihrem alten Haus und entzünden eine Kerze, dort wo sein Fenster war. Es wohnt niemand mehr darin. Die Leute glauben ein Fluch liegt darauf, wie sonst konnte ein Einbrecher ohne Schaden eindringen, ein Baby ermorden und alle Wertsachen stehlen, während die Eltern schliefen?

Corinna hat Mühe Trauer zu zeigen, zumindest glauben das ihre Eltern. Sie hat noch nie geweint wegen ihrem toten Bruder. Die Therapie hilft nicht.

Als Familie stehen sie vor dem Fenster, Corinna blickt hinein und muss unweigerlich ein Grinsen unterdrücken. Blackie ist wieder da.

 

Worauf wartest du?

Der Herbstwind weht über die Steinbrücke. Corinna sitzt darauf und blickt tief hinunter in das dunkle Wasser. Blackie steht neben ihr und genießt die Ruhe.

“Was soll ich noch tun?”, fragt Corinna.

“Zum Treffpunkt gehen. Dann können wir das Aufnahmeverfahren starten”, erwidert Blackie.

Schnaufend erwidert Corinna: “Ich sehe noch immer nicht was so toll ist, an deinem Dasein. Warum sollte ich das auch wollen?”

“Du wirst nicht wie ich, sondern bekommst deine eigenen Kräfte. Ich bin nur ein Beispiel gewesen.”

Corinna beginnt auf ihren Nägeln zu kauen.

“Ich wäre unsterblich und müsste nur manchmal irgendwas erledigen?”, harkt sie nach.

“Ja.”

Plot Armor?

Vor ein paar Wochen, habe ich auf Twitter das Wort Plot Armor erwähnt und, das hat bei ein paar Leuten Fragezeichen hervorgerufen. Mir war gar nicht bewusst, dass das Wort im deutschen Raum nicht so weit verbreitet ist. Deswegen will ich mir heute Zeit nehmen um über Plot Armor zu reden.

 

Was ist Plot Armor?

Zuerst einmal gibt es einige verschiedene Namen dafür beispielsweise Character Shield, Script Immunity oder auch Plot Shields. Sie alle sind Synonyme füreinander. Ich persönlich finde Plot Armor am zutreffendsten deswegen nutze ich es am häufigsten.

Plot Armor ist das was die ganzen Action Helden in diversen Filmen beschützt. Sei es ein Sturz aus einem Gebäude, ein unmöglicher Stunt oder auch vor psychologischen Schäden. Auf TV-Trope wird das Ganze sehr schön beschrieben:

When Bob is the lead protagonist of a work, his presence is essential to the plot. Accordingly, the rules of the world seem to bend around him. The very fact that he’s the main character protects him from death, serious wounds, and generally all lasting harm (until the plot calls for it). Even psychological damage can be held at bay by Bob’s suit of Plot Armor.

Zu Deutsch:

Wenn Bob der Hauptcharakter einer Geschichte ist, dann ist er wichtig für den Plot. Daher biegen sich die Regeln des Universums um ihn herum. Der Fakt das er der Hauptcharakter ist beschützt ihn vor dem Tod, ernsthaften Verletzungen, und jegliche Art von nachhaltigen Schmerzen. (Bis der Plot es verlangt.) Auch psychologische Schäden können durch Plot Armor zurück gehalten werden.

Also der Charakter wird vor allem Schlechten beschützt, außer es bringt den Plot voran.

 

Was ist so schlecht daran?

Es ist unrealistisch und nicht menschlich. Natürlich kann es aufgrund der Geschichte logisch sein, das ein Charakter kaum oder gar keinen Schmer Eine Szene hat sich regelrecht in mein Gehirn hineingefressen. Spoiler für James Bond Casino Royale voraus:

Als Vesper von den Bösen entführt wird und Bond ihnen hinterherfährt, kommt es zu einem Crash. Bonds Auto überschlägt sich gefühlte 15 Mal und er überlebt ohne bleibende Schäden davon zu tragen. Bei James Bond ist so etwas fast schon zu erwarten, aber hätte man den Stunt nicht ganz so heftig gemacht, wäre es realistischer gewesen. Und hätte mich nicht so aus der Geschichte herausgezogen.

Es gibt bestimmt noch tausende andere Fälle von Plot Armor, sie alle haben eines gemein: Sie holen den Zuschauer aus der Geschichte heraus.

 

Mein Charakter hat Plot Armor. Ist die Geschichte jetzt automatisch schlecht?

Auf gar keinen Fall! Keine Geschichte wird wegen einer einzigen Sache schlecht. Falls du tatsächlich feststellst das in deiner Geschichte Plot Armor vorkommt, kannst du die Geschichte anpassen. Selbst wenn du das nicht tust, dann kannst du es beim nächsten Mal besser machen.

Außerdem, wenn es nur einmal in der Geschichte vorkommt, dann sagen auch die wenigsten Leute etwas dagegen. Es geht hier mehr um so extreme Beispiele wie diese ganzen Superhelden/Actionhelden Geschichten. Keiner kann solche Szenen mehr ernst nehmen, denn jeder Hauptcharakter ist sicher.  So etwas ist öde.

 

Was kann man dagegen machen?

Lass den Charakter Schmerz fühlen. Nicht einfach ein bisschen Unwohlsein, lass ihn leiden. Wenn er aus einem Gebäude springt und sich nicht zumindestens etwas verknackst, dann läuft irgendetwas falsch. Aber das er sofort etwas fühlt ist nur die halbe Miete.  Selbst Stunden oder auch Tage später muss etwas von diesem Unfall übrig sein. Kein Mensch hält es aus mit einem verstauchten Bein zu laufen, als ob nichts gewesen wäre. Es kann schon so etwas subtiles wie mehr Pausen sein. Hauptsache seine Aktion ruft eine Reaktion hervor.

 

Aber zu jeder „Regel“ gibt es bekanntlich Ausnahmen:

Wenn der Charakter ein trainierte Soldat ist, wird er um einiges besser mit Schmerzen umgehen können als ein Teenager.

Auch Notsituationen sind eine Ausnahme. Es gibt ein paar Bergsteigerfilme, welche auf echten Geschichten basieren, in denen die Grenzen des menschlichen Körpers aufgezeigt werden. (Leider weiß ich von keinem mehr den Namen.) Bei dem Einen muss sich der Bergsteiger einen Arm selbst abschneiden um sich zu befreien. Bei dem Anderen muss der Bergsteiger auf einem gebrochenem Fuß mehrere Tage „gehen“ um nicht von seinen Freunden zurückgelassen zu werden die ihn für tot halten.
Bei Beiden geht es um Leben und Tod und, deswegen wachsen diese Menschen über sich hinaus.

Im Fantasy/Science Fiction Bereich gehört es vielleicht zum Charakter dazu. (Magie, Rüstungen die Stürze abfangen, etc.)

Außerdem haben manche Charaktere einfach eine riesige Portion Glück und kommen unverletzt aus einem fatalen Crash heraus.

Wenn ein Charakter Schmerzen überspielt, mag das für ein paar Stunden gut gehen, aber fast immer holt ihn die Realität ein und er erliegt den Schmerzen.

 

Fazit

Man kann ziemlich leicht in diesen Trope hinein fallen und das herauskommen, kann nerven zerrend werden.  Man muss sich also genau überlegen wie schlimm man dieses Trauma wirklich darstellt und vorallem wie der Charakter damit fertig wird.

Fällt euch ein Fall von Plot Armor ein? Ich bin mir sicher da gibt es ein paar Szenen. 😉

Eure CK