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Schlagwort: Kurzgeschichte

All morgendlich

Die Zeit verfliegt ohne das ich sie spüren kann. Manchmal ist es so als würde ich nicht hier sein. An solchen Tagen sind alle weit entfernt, ich bin allein.

Das Herz in meiner Brust schlägt wie ein Vogel und will herausbrechen um alles zu beenden. Wie oft kann ich dem Drang noch widerstehen? Was passiert wenn ich nachgebe?
Vielleicht würde ich dann wieder das Glück spüren. Das hoffe ich zumindest.

Was wohl die anderen dazu sagen werden? Sie werden es nicht verstehen. Ich werde wohl einfach weitermachen müssen. Egal wie es schmerzt. Auf keinen Fall darf ich aufgeben. Niemand wird mir helfen ich muss es selbst tun.

Das falsche Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht und ich drehe mich langsam herum und flüstere leise:“ Einen wunderschönen, guten Morgen.“

Als ich ihn sehe ist der Schmerz für einen Moment verschwunden, dann steht er auf und geht. Es bricht wieder über mich herein. So werde ich nicht mehr lange weiter machen können. Aber ein paar Tage gehen sich noch aus.

Photo credit: Carola Cappellari via Visual hunt / CC BY-NC-SA

Gutes gibt es

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Heute musste sie wieder den Marktplatz besuchen. Dort würde eine junge Hexe auf sie warten. Zumindest sagten, dass ihre Träume.

So kletterte sie über den Berg, watete durch den Fluss und wanderte den langen Weg entlang. Endlich war sie am Markt. Heute war es besonders geschäftig.

Nach wenigen Schritten erblickte sie eine Hexe.

“Bist du die aus meinem Traum?”

Verwirrt verschwindet die Hexe.

Enttäuscht zieht die Frau weiter. Unsicher blickt sie sich um. Nach nur wenigen Schritten erblickt sie die nächste. Freudig tänzelt sie zu ihr hinüber.

“Ich bin hier um dich zu retten.”

Sie spuckt ihr auf die Füße und verschwindet ebenfalls. Noch ein bisschen enttäuschter zieht sie von dannen. Lange wandert sie über den Platz. Bis sie erschöpft aufgibt. Bitterlich weinend sitzt sie da.

Auf Einmal spricht eine sanfte Stimme:” Warum weinst du denn Großmütterchen?

“Ach ich suche jemanden den ich retten kann”

Sie öffnet die Augen und sieht ein kleines Kind mit nur einem Bein vor sich stehen. Sofort wird ihr Herz weich und sie fällt dem Kind um den Hals.

Sie lässt es auf ihren Rücken klettern und zusammen entfliehen sie dem Getöse des Marktes.

 

Photo credit: AdamCohn via Visualhunt / CC BY-NC-ND

Das Monster

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Es ist dunkel und eng. Zusammen mit einigen anderen Kameraden liege ich auf der Lauer. Meine Frau, die Räuberbraut ist auch da. Schon seit Stunden warten wir, dass ES wieder kommt. Meine Beine lasse ich kurz wackeln. Sie sollen bereit sein wenn der Moment kommt.

Da endlich es wird heller. Die Kameraden nicken mir zu und ich laufe los. Meine Braut ist direkt hinter mir. Zusammen attackieren wir das Ungeheuer. Mit gezielten Bewegungen schnappt es nach uns. Geschickt weichen wir aus. Meine Frau stolpert kurz, schnell packe ich sie und zerre sie weiter.

Erleichtert lächelt sie mich an. Urplötzlich greift das Monster wieder an und bekommt sie zu packen. Sie ist stumm und rührt sich nicht mehr. Ihr ganzer Körper erschlafft. Verzweifelt versuche ich sie aus ihrer Lage zu befreien, aber ich werde einfach mit ihr gezogen.

Die Sonne blendet mich. Meine Frau sehe ich nur schemenhaft neben mir. Sie baumelt leblos vor sich hin.

Der Griff von dem Monster wird auf einmal fester. Es droht mich zu ersticken. Ich spüre wie meine Kraft mich verlässt. Mit meiner letzten Kraft richte ich meinen Blick nach vorne.

Es schiebt mich langsam auf dieses ekelhafte Loch zu. Es stinkt es wurde schon so oft benutzt. Immer wieder drückt es mich dort hinein. Seit Jahren ist das Loch das selbe nur das Monster ändert sich. Früher wirkte es älter aber plötzlich war es wieder jung.

Jetzt stecke ich in diesem schrecklichen Loch. Ich werde gewaltsam herum gedreht eine ganze Umdrehung nach rechts, blitzschnell werde ich wieder entfernt. Der Dreck klebt an mir. Aus den Augenwinkeln sehe ich das meine Frau sich bewegt. Wir schmiegen uns aneinander und kehren in die Dunkelheit zurück um dort auf den nächsten Angriff zu warten.

 

Photo via Visualhunt.com

Die schwarze Witwe

Was für ein Mann er doch ist. Sein Hemd spannt sich über seine Muskeln. Die strahlend weißen Zähne scheinen von selbst zu leuchten. Noch lehnt er ganz entspannt am Tresen. Begierig lasse ich meine Zunge über meine Lippen gleiten.

Mein gesamter Körper scheint zu pulsieren, so als würde mein Herz ausbrechen wollen. Am gesamten Körper spüre ich Wärme, aber am heißesten sind meine Wangen. Ich greife zur kühlen Flasche und halte diese an meine Wange, dabei sehe ich wie sehr meine Hände zittern. Schnell lege ich sie flach am Tisch. Mit einigen tiefen Atemzügen beruhige ich meine Nerven.

Als ich nun wieder meine Hand hebe ist sie bedeutend ruhiger. Vorsichtig greife ich nach der Flasche. Sie muss wohl im Gefrierschrank gelagert worden sein. Die Kälte zieht förmlich in mich hinein und kühlt mich augenblicklich ab. Ein unwohles Gefühl huscht durch mich durch. Entgeistert stelle ich das Getränk wieder ab. Mir ist die Lust vergangen. Also bleibt nur noch er als mein Ziel.

Schwungvoll werfe ich meinen Kopf zur Seite, damit mein schwarzes Haar besonders gut aussieht. Es fällt mir perfekt über die Schulter. Lächelnd schweifen meine Augen durch den Raum. Wie zufällig fällt mein Blick auf ihn. Auch er entdeckt mich. Als ich mir sicher bin, dass seine Aufmerksamkeit auf mir ruht knabbere ich spielerisch an meiner Unterlippe. Unruhig beginnt er von einem Bein aufs andere zu treten. Wie bei einem Spiel sehe ich kurz weg. Aber aus den Augen lasse ich ihn deswegen nicht. Mein Blick ist auf ihn fixiert auch er sieht noch immer in meine Richtung.

Gerade als ich den nächsten Schritt machen möchte, nickt er mir zu. Verblüfft sehe ich ihm zu wie er auf mich zu kommt. Mein Herz beginnt zu rasen und meine Handflächen werden feucht. Er ist nur noch wenige Meter entfernt. Noch immer hält er direkt auf mich zu. Wieder beginne ich auf meiner Unterlippe zu kauen, aber dieses Mal bedeutend heftiger. Als er direkt neben mir Halt macht will ich schon aufspringen.

Obwohl er mich nicht mehr ansieht bin ich mir sicher, dass er mich will. Meinen Rock streife ich glatt und will mich aufsetzten als ich aus den Augenwinkeln etwas sehe. Da läuft jemand auf ihn zu. Die Person wird schon aufpassen, denke ich mir und stehe auf. Da fällt die Person in seine Arme und sie küssen sich. Schnell schnappe ich mir die Flasche und verlasse die Bar. Jeder Schritt fühlt sich so unendlich schwer an. Jedes Geräusch scheint wiederzuhallen. Nachdem ich durch die Gegend getorkelt bin erreiche ich endlich den Ausgang. Irgendwie bringe ich genug Kraft auf um die eisen Tür zu öffnen. Im Freien angekommen lasse ich die Tür laut ins Schloss fallen. Meine Beine werden plötzlich weich. Ich lasse es zu, unsanft lande ich am Boden. Die Flasche habe ich dabei fest umklammert. Begutachtend drehe ich sie herum. Als ich keine Mängel feststellen kann kippe ich das eisige Bier in mich hinein. Mit einem Zug geleert. Sehnsüchtig blicke ich nach oben. Dabei bemerke ich eine merkwürdige Drehbewegung. Nur für einen Augenblick schließe ich die Augen. Dabei spüre ich einen Luftzug und irgendwie scheine ich zu fallen.