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Modernes Märchen – Die 12 Schwestern

Vorlage: Die 12 Brüder von den Gebrüder Grimm

Nachdem ich mir den Beitrag von Frau Schreibseele durchgelesen habe, hab ich mir gedacht das ich mich auch mal daran versuche ein modernes Märchen zu schreiben. (Der Hashtag  von BartBroAuthors hat mich zusätzlich angespornt 😉 )

Eine kleine Triggerwarnung an dieser Stelle: Prostitution und in dem Zusammenhang sexuelle Gewalt. Es wird nicht explizit dargestellt, eigentlich fast nur erwähnt. Falls das schon zu viel für dich ist würde ich dir raten den Beitrag nicht durch zu lesen.

 

Die 12 Schwestern

Es lebte einst eine Familie mit 12 Buben mitten im Gemeindebau. Die Wohnung war schon lange zu klein und so mieteten sie auch die daneben und machten sich breit. Eines Abends redeten  Mutter und Vater miteinander. Der Vater sah das die Mutter etwas bedrückte also fragte er nach.

“Ich bin wohl wieder schwanger”, sprach sie leise.

Augenblicklich sprang er auf und ging ein paar Schritte auf und ab.

“Das können wir uns nicht leisten und außerdem das ist doch hirnrissig. Obwohl ein Bub wäre schon ganz schön”, verdutzt über sich selbst hielt er inne. Dann wandte er sich lächelnd zu seiner Frau und sagte:” Wenn du einen Buben bekommst, werden wir die 12 Mädchen los und fangen ein neues Leben an.”

Erschrocken begann die Mutter zu weinen, doch den Vater interessierte das nicht.

Als es Zeit war das Abendessen zu kochen half der Mutter die jüngste Tochter, Bea.

“Was is’n Mamma?”, so betrübt kannte Bea ihre Mutter nicht. Betrunken schon, aber nicht so traurig.

“Dein Vater hat seine Medikamente abgesetzt. Wenn das nächste Kind ein Bub wird, tötet er euch.”

“Das kann er nicht tun! Ich werden den anderen Bescheid geben und wir hauen ab. Es reicht mir sowieso in dieser kleinen Bude”, wutentbrannt schmetterte sie einen Teller zu Boden und stapfte davon.

Gesagt getan mit ihren Schwestern lief Bea davon. Zuerst wohnten sie im Keller von ein paar Freunden, denen wurden sie schon bald zu viel und so mussten sie weiter. Jede Nacht schliefen sie woanders. Eines Tages kommt ein Mann auf die 12 Mädchen zu. Er begutachtet sie ganz genau. Mittlerweile sind sie ausgehungert und schauen krank aus.

“Ich gebe euch eine neue Chance”, verkündet er mit einem großen Lächeln.

Neugierig spitzen sie die Ohren.

“Ihr müsst nur mitkommen und ich sorge für euch”, ohne nach zu denken springen sie auf und folgen ihm. Ein kleiner Lieferwagen steht nicht weit entfernt. Drinnen warten bereits andere Mädchen, schweigend setzten sie sich dazu. Hinter Ihnen wird die Tür zugeknallt und sie fahren los.

Bea wird vom Geschaukel müde und schläft auf dem Schoß ihrer Schwester ein.

Als sie wieder aufwacht liegt sie auf einer Matratze. Um sie herum ist es dunkel.

“Wo bin ich?”, fragt sie zaghaft in die Dunkelheit.

Niemand antwortete ihr. Aus Angst blieb sie liegen, traute sich kein Stück zu bewegen. Es schienen Stunden zu vergehen bis eine Tür irgendwo aufging. Stöhnen und weinen drang an ihr Ohr. Sie erkannte die Stimmen ihrer Schwestern. Trotzdem traute sie sich nicht zu rühren.

Die Jahre zogen durchs Land. Es war wieder ein normaler Arbeitstag für Bea. Rein raus. Nichts anderes. Schreie wurden laut. Der Kunde hielt inne, zuckte mit den Schultern und machte weiter. Aber sie hingegen lauschte auf den Lärm außerhalb ihres dreckigen Zimmers. Es war anders als sonst. Angsterfüllt und doch voller Hoffnung.

Es hämmert an die Tür.

“Stört nicht”, die Stimme des Kunden klang wie ein kreischender Vogel.

Unaufhaltsam machte er weiter. Dieses Mal donnerte es richtig an die Tür. Wieder wollte er kreischen, doch er kam nicht mehr dazu. Die Tür war offen und herein drangen maskierte Menschen mit Waffen im Anschlag.

Grob wurde der Mann hinter ihr gepackt und zu Boden geworfen. Bea zuckte zusammen und machte sich so klein sie konnte. Ein Mann kam zu ihr rüber und zog sie ebenfalls vom Bett. Auf wackligen Knien durchschritt sie das Zimmer. Die anderen Maskierten waren bereits verschwunden nur 2 waren noch da. Sie fixierten den Mann am Boden. Keinen Blick wirft sie ihm zu. Er ist egal. Sie ist frei. Schüsse gellen durch den dunklen Gang, aber sie sind soweit entfernt und Bea hat schon lange keine Angst mehr.

Ihr wird eine dicke Decke umgehängt dankbar wickelt sie sich darin ein. Im Warteraum für die Freier angekommen sieht sie ihre Schwestern wieder. Ein Mann steht bei Ihnen. Er ist jung und sieht staatlich gekleidet aus mit seinem Anzug.

“Du bist Bea, nicht wahr?”, vorsichtig nickt sie ihm zu.

“Ich bin dein kleiner Bruder. Es freut mich so sehr dich kennen zu lernen”, überschwänglich fällt er ihr um den Hals. Vor Glück beginnt sie zu weinen, so wie ihre Schwestern. Sie fallen einander um den Hals und beginnen zu lachen.

Wenn sie nicht gestorben sind so leben sie noch heute.

 

Und wie findest du es? 

Eure CK

Published inAllgemein

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